Die fortschreitende Digitalisierung bedeutet in erster Linie positive Veränderungen für unsere Arbeitswelt. Moderne Konferenzlösungen, innovative technologische Entwicklungen und mobiles Internet ermöglichen in vielen unterschiedlichen Berufsfeldern flexibles und ortsunabhängiges Arbeiten. Das steigert nicht nur die Produktivität, sondern auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter, Selbstständigen und Freelancer. Selbstbestimmtes Arbeiten und flexible Arbeitsplatzgestaltung fördern eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Das wiederum steigert Motivation, Leistungsfähigkeit und Produktivität – und letztendlich die Freude an der Arbeit.

Ein Digitalnomade generiert sein Einkommen in erster Linie über sein instinktives Marktgespür und seine Produktivität. Das erfordert allerdings eine erhöhte Motivation, um Kreativität und Arbeitsverhalten auf einem ergebnisorientierten und gleichbleibend hohen Level halten zu können. Unternehmen profitieren ebenfalls von diesem innovativen Modell; sei es durch die Zusammenarbeit mit externen Freelancern oder durch mehr Flexibilität und Freiheiten, die den Mitarbeitern bei der Wahl von Arbeitsort und Arbeitszeit zugesprochen werden.

Die Vorteile eines digitalen Nomaden

Von welchen Vorteilen des ortsungebundenen Arbeitens sowohl Freelancer als auch Leistungsempfänger profitieren und welche Erfahrungen eine Digitalnomadin gemacht hat, liest Du in diesem Beitrag.

Meist handelt es sich bei Digitalnomaden (hauptsächlich) um Selbstständige oder Freelancer, doch immer häufiger auch um Arbeitnehmer und Angestellte, die frei entscheiden, wo und wann sie ihre Arbeit verrichten. Das kann zuhause im Home Office, in einem Café in der Innenstadt, in einer Bibliothek, im Flugzeug oder Zug oder in einem sogenannten Co-Working Space sein. Und das nicht nur in Deutschland, sondern theoretisch weltweit. Die wichtigste Voraussetzung ist immer ein zuverlässiges technisches Fundament. Laptop, Smartphone und schnelles Internet machen es möglich, dass heutzutage ortsunabhängiges Arbeiten in sehr vielen Berufen möglich ist.

Eine Illusion müssen wir Dir aber nehmen: Das Arbeiten an exotischen und spektakulären Orten ist meist die Ausnahme. Entspannt im eigenen Garten Kreativität und Produktivität freien Lauf zu lassen, einer Teambesprechung via Skype beizuwohnen und bei Konzentrationsschwierigkeiten einfach mal einen PowerNap einzulegen sind hingegen realistische Szenarien, denen vier wesentliche Vorteile zugrunde liegen.

Flexibilität und Freiheit

Der größte Vorteil sind Freiheit und Flexibilität; Argumente, denen ein klassisches Arbeitsverhältnis nichts entgegenzusetzen hat:

  • Du bist nicht an strikte Vorgaben gebunden.
  • Deine Arbeit lässt sich hinsichtlich Planung, Gestaltung und Ausführung leichter an eigene Bedürfnisse anpassen.
  • Du entscheidest eigenverantwortlich, wie, wann und wo Aufgaben verrichtet werden.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Mehr Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung erleichtert (nicht nur) berufstätigen Frauen, Familie und Beruf entspannter unter einen Hut zu bekommen. Eben mal schnell einkaufen zu fahren, weil ein (Teil-) Auftrag abgeschlossen wurde, die Wäsche zusammenzulegen oder das kranke Kind aus der Schule abzuholen, ist wesentlich unkomplizierter zu praktizieren als an einem festen Arbeitsplatz.

Zufriedenheit

Nicht nur Freelancer, auch Unternehmen haben einen weiteren entscheidenden Vorteil des ortsungebundenen Arbeitens erkannt: Selbstbestimmte, flexible Arbeitszeitgestaltung sorgt für Zufriedenheit. Und zufriedene Mitarbeiter haben

  • mehr Motivation,
  • zeigen bessere und konstantere Leistungen,
  • übernehmen mehr Verantwortung und
  • erhöhen die eigene Produktivität.

Deshalb verwundert es nicht, dass immer mehr Unternehmen ihren Mitarbeiten zumindest teilweise das Arbeiten außerhalb des Unternehmens und bei flexibler Zeiteinteilung ermöglichen – Tendenz steigend!

Zeitersparnis

Vor allem den Aspekt der Zeitersparnis wissen Digitalnomaden sehr zu schätzen. (Lange) Fahrzeiten mit Auto, Bus oder Bahn ins Büro und zurück nach Hause entfallen. Nicht selten sind Arbeitnehmer täglich zwei Stunden oder länger unterwegs. Digital-Nomaden können „aus dem Stand“ mit der Arbeit loslegen und ihren Feierabend (mit der Familie oder Freunden) früher genießen.

Wird digitales, ortsungebundenes Arbeiten langfristig funktionieren?

Die fortschreitende Digitalisierung sorgt auch für Verunsicherung. Kann das Arbeitsleben trotz zahlreicher überzeugender Vorteile der Digitalisierung auf lange Sicht tatsächlich einfacher und angenehmer werden, wenn die Technik dominiert und der direkte Dialog zwischen Abteilungen und Projektteams, Vertriebsleuten und ihren Kunden, den Mitgliedern eines Projektteams oder dem Webseiteninhaber und seinem freiberuflichen Texter langsam verstummt. Soweit kommt es sicher nicht. Doch wenn Teams, egal von welcher Größe, an unterschiedlichen Standorten arbeiten und ein gemeinsames Projekt voranbringen müssen, können wir die Vorteile des digitalen Arbeitens nicht ignorieren; weil sich Probleme auch dann lösen lassen, wenn nicht alle Beteiligten an einem Tisch sitzen. Flexibilität und Freiheit werden eine immer größere Rolle spielen, irgendwann zur Selbstverständlichkeit, aber keinesfalls zu unserem Nachteil sein.

Gerne möchten wir in diesem Beitrag auch eine seit 13 Jahren tätige freie Texterin und Lektorin (verheiratet und Mutter zweier Töchter) zu Wort kommen lassen und so Einblicke in den beruflichen Alltag einer Digitalnomadin gewinnen.

Interview mit einer digitalen Nomadin

Hallo Kirsten, wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Mein Arbeitstag beginnt in der Regel bereits um 7.00 Uhr; am liebsten mit einem Lektorat oder kleineren Textauftrag, da meine Kreativität zu dieser frühen Stunden erst noch „erwachen“ muss (lacht). 60 bis 90 Minuten später ist bereits ein erster (Teil-) Auftrag abgeschlossen. Motivation pur! Bei einem großen Kaffee plane ich den restlichen Vormittag. Die wichtigsten Aufgaben erledige ich bis 12.00/12.30 Uhr, bevor die Kinder hungrig aus der Schule kommen. Nachmittags arbeite ich zwei bis drei Stunden (abhängig von privaten Terminen). Meistens beschäftige ich mich dann mit der Akquise oder Abstimmung neuer Aufträge, dem Lesen und Beantworten von E-Mails, Recherchearbeiten oder dem Abschluss eines begonnenen Lektorats oder Artikels.

Nach dem Abendessen (meist ab 19.30 Uhr) lasse ich den Abend gemütlich mit der Familie ausklingen. Steht am nächsten Tag eine Deadline an, wird eventuell am späten Abend der Laptop noch einmal aufgeklappt. Spätestens um 23.00 Uhr ist Feierabend – in jeder Hinsicht!

Pausen, die für mich unverzichtbar sind, fülle ich meist mit Bewegung: Für kleinere Einkäufe nehme ich das Fahrrad zum sechs Kilometer entfernten Supermarkt. Außerdem steht seit Neuestem Yoga (im Wohnzimmer) auf dem Plan – perfekt, um abzuschalten und die Akkus wieder aufzuladen. Bin ich sehr erschöpft, lege ich für zehn bis 15 Minuten ein PowerNap ein.

Freie Arbeitsplatzwahl? Na klar. Bei mir ist es nicht das Arbeitszimmer, sondern die Küche. Hier bin ich viel kreativer und produktiver. In der dunklen Jahreszeit zünde ich dann gerne eine Kerze an; Wohlfühlatmosphäre ist auch beim Arbeiten wichtig – wie sich sie gestalte, bleibt ganz mir überlassen – stört ja sonst keinen! Und bei schönem Wetter sitze ich am oft auf dem Balkon oder im Garten. Herrlich, oder?

Mit welchen Herausforderungen hast du als Digitalnomadin zu kämpfen?

Die Ablenkungen zuhause oder anderen Orten sind nicht zu unterschätzen. Es ist wichtig, sich gut zu organisieren, klare (Tages-) Ziele zu definieren und diese Aufgaben dann eigenverantwortlich und diszipliniert abzuarbeiten. Anfangs wurde ich häufiger mit Kommunikationsproblemen konfrontiert. Ich halte es für unverzichtbar, auch im eigenen Interesse mit Kunden bzw. Auftraggebern eine offene Kommunikation zu pflegen, insbesondere in Krisenzeiten. Wer mit größeren Teams zusammenarbeitet, sollte Kommunikationsstörungen unbedingt vermeiden. Dabei können Prozesse und Strukturen äußerst hilfreich sein.

Wo siehst du persönlich die größten Vorteile ortsunabhängigen Arbeitens?

Für mich ist der größte Gewinn die große Flexibilität und Zeitersparnis, gerade weil ich Kinder habe. Mein technisches Fundament ist vorhanden, alles andere bleibt flexibel. Kreativität gibt es nicht auf Knopfdruck. Da ist es schön, frei entscheiden zu können, wo und wann hierfür der beste Zeitpunkt ist. Es ist ein absolutes Privileg, den Arbeitstag meinem Rhythmus entsprechend anpassen und planen zu können. Falls sich Prioritäten kurzfristig verschieben, kann ich meinen Tagesablauf auch mal auf den Kopf stellen. Zeitersparnis dank fehlender Anfahrtswege schafft Freiräume – zeitlich und persönlich. Vorteile, die für mich unbezahlbar sind.

Mit welchen Missverständnissen hast oder hattest du zu kämpfen?

Hmm! Missverständnisse mit Auftraggebern oder anderen Freelancern gab es eher selten. Es waren vielmehr Freunde, Bekannte und die Familie, die sich mit der ungewohnten Situation erst arrangieren mussten. Da ich meist von zuhause arbeite, dachten alle, ich bin jederzeit verfügbar. Unwichtige Telefonate, Spontanbesuche oder WhatsApp-Nachrichten wie „Mama, kannst du mich mal schnell abholen, ich hab heute früher aus!“ oder die vorwurfsvolle Frage „Warum gehst du denn nicht ans Handy?“ waren anfangs an der Tagesordnung. So geriet ich nicht selten unter Stress, weil ich mein tägliches Arbeitspensum trotzdem schaffen musste und durch diese Intermezzi wertvolle Zeit verloren ging.

Ich musste erst lernen, dass ich entscheide, wann ich wie flexibel sein möchte (oder muss) – und nicht die anderen. Aus dieser Erfahrung heraus reifte die Entscheidung, eine persönliche VIP-Zeit in meinen Arbeitsalltag zu integrieren (vormittags von 9.00 bis 10.30 Uhr inklusive 10 Minuten Pause). Während dieser Zeit kümmere ich mich nur um Aufgaben, die absolute Konzentration erfordern oder höchste Priorität genießen. Dann bin ich  – außer für die Familie und meine beste Freundin (und der Kunden, an dessen Auftrag ich gerade sitze) – für niemanden telefonisch erreichbar.

Welche Tipps möchtest du angehenden freiberuflichen Digitalnomaden mit auf den Weg geben?

Ortsunabhängiges Arbeiten bringt viele Vorteile. Trotzdem ist dieses Modell nicht für jeden ideal. Anfangs muss sehr viel Zeit investiert werden, um einen nachhaltigen Lebensstil für sich zu entwickeln; ein Prozess, der Zeit, Mut, Disziplin und Ausdauer erfordert. Die beste Basis erfolgreicher Digital-Nomaden ist allerdings die eigene Mentalität, das persönliche Mindset: Mit der richtigen Einstellung, zielführenden Denkweisen und adäquaten Verhaltensmustern wird es Ihnen gelingen, ein glückliches und erfolgreiches Leben als Digital-Nomade zu führen.

Fazit:

Die digitale Arbeitswelt setzt neue Maßstäbe. Das gilt für Unternehmen und deren Angestellte ebenso wie für Freelancer, Selbständige und deren Auftraggeber. Wer diese Chance und die vielen Vorteile des ortsungebundenen, flexiblen Arbeitens erkennt und für sich selbst, das eigene Team oder das ganze Unternehmen zu nutzen weiß, wird als Geschäftsführer und Marketingspezialist, Journalist und Webdesigner, Vertriebsprofi und Übersetzer, Blogger und Seo-Fachmann, Fotograf und Coach, Softwareentwickler und Autor (…) von hoher Motivation, Produktivität und Leistungsfähigkeit profitieren, an deren Ende der gemeinsame Erfolg und eine tiefe persönliche Zufriedenheit stehen werden!